Geisterradio auf Englisch
(Empfohlen für die authentischste Athmosphäre)
Download Video
Download MP3
Geisterradio auf Deutsch
Download Video
Download MP3
Halloween Atmosphäre
Download Video
Download MP3
Damit es beim Lesen nicht zu ruhig ist – und um den Geistern eine Stimme zu geben – gibt es in diesem Jahr das Geisterradio ... muss vor langer Zeit mal jemand aufgenommen haben. 😁
Oder ihr lauscht dem Rauschen des Windes im Kornfeld und den Geräuschen, die aus einer weit entfernten Windmühlenruine zu entkommen versuchen.
Info: Musik teilweise KI-generiert. Alles Andere, wie immer, Handgemacht. Weitere Infos
Lange bevor an Halloween Süßigkeiten sammelnde Kinder durch die Straßen liefen und Häuser gruselig dekoriert wurden, feierten die alten Kelten in Irland Samhain. Eine Nacht, in der die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten durchlässiger wurde.
In dieser Nacht versuchte man, sich so gut wie möglich vor den bösen Geistern zu schützen, aber auch wohlwollende Ahnengeister zu ehren. Beides konnte man zum Beispiel mit kleinen Gaben wie Brot, Milch und Gebäck erreichen. Die einen wurden besänftigt, die anderen geehrt.
Oder man versuchte, die Geister mit gruseligen Fratzen, die in Rüben geschnitzt wurden, und Verkleidungen so zu erschrecken oder zu verwirren, dass sie es vorzogen, weiterzuziehen.
So einen verwirrten Geist stelle ich mir schon lustig vor, wie er da steht … Oder schwebt, vor Schreck zusammenzuckt und sich einigermaßen genervt fragt:
"Ist das einer von uns oder doch nur schon wieder einer von diesen seltsamen Menschen?"
Es gab viele solcher Schutzmaßnahmen, aber was wäre, wenn ein Hoodoo-Praktizierender – traditionell auch Root Worker genannt – damals in Irland auf die Riten der Kelten getroffen wäre?
Wahrscheinlich würde er sich einen Mojo-Beutel herstellen. Je nachdem, was man hineinlegt, kann er für verschiedene Zwecke benutzt werden. Zum Beispiel für Schutz gegen negative Energien.
Um die Samhain-Nacht zu überstehen, könnte er mit einem schwarzen oder roten Stück Leinen- oder Baumwollstoff beginnen, aus dem er einen kleiner Beutel näht. Die Farben sind bewusst gewählt. Schwarz steht für Absorption. Es absorbiert also passiv negative Energien, bleibt dabei aber selbst neutral. Rot steht für Kraft und Durchsetzung, womit der Schutz aktiv umgesetzt wird.
Wenn der Beutel fertig ist, wählt er den Inhalt aus. Dafür kann er auch aus einer ganzen Palette von Zutaten die aussuchen, die am besten passen. Zum Beispiel:
• Salz zur Reinigung von negativen Energien und eine Barriere gegen sie.
• Salbei beruhigt das Umfeld und verstärkt die Wirkung des Salzes.
• Schwarzer Pfeffer als aktiver, durchsetzungsfähiger Schutz vor negativen Energien.
• Asche oder die Reste einer weißen Kerze tragen die klärende Eigenschaft der Kerze weiter und "verbrennen" sozusagen das Negative.
• Eine Münze oder ein Kieselstein symbolisiert Schutz, Erdung und Beständigkeit. Steine wie Hämatit, Obsidian, schwarzer Turmalin oder Basalt gelten allgemein als Schutzsteine aber ein Root-Worker würde den Stein wählen, zu dem er sich am meisten hingezogen fühlt.
• Ein persönlicher Gegenstand, der allein für den Träger für Schutz steht, könnte ebenfalls Platz im Mojo-Beutel finden.
• Ein handschriftlich geschriebener und gefalteter Zettel mit der konkreten Absicht, bewahrt diese sozusagen, macht das Mojo persönlich und "adressiert" die Wirkung an seinen Träger.
Für einen klaren Schutz-Mojo würde er wahrscheinlich drei Zutaten auswählen. Die Zahl Drei steht für Fokus und Konzentration, symbolisiert Anfang, Mitte und Ende oder auch Körper, Geist und Seele. Perfekt für diese Nacht.
Doch es ist nicht nur wichtig, was er hineinlegt, sondern auch, wie er es tut. Nämlich mit Fokus auf den entstehenden Mojo-Beutel, seine Absicht vor Augen und ohne Ablenkung. Auch die Reihenfolge, in der er die Zutaten in den Beutel legt, kann von Bedeutung sein. Zum Beispiel die Kiesel als Erdung nach unten, darauf das Salz als Barriere und Salbei als beruhigendes Element, gleichberechtigt neben dem Salz. Wobei die Kräuter und Gewürze am besten in gefalteten Papier-Täschchen gefüllt werden, damit sie nicht herausfallen und ordentlich platziert werden können.
Schließlich wird der Mojo-Beutel zugenäht oder verknotet. Auch hierbei könnte er drei Knoten machen. Vielleicht verwendet er für seinen schwarzen Mojo-Beutel sogar ein rotes Band zum Zuknoten. So kombiniert er die Absorption der Farbe schwarz mit der Durchsetzungsfähigkeit von rot. Farbkombinationen sind nämlich durchaus erlaubt.
Viel wichtiger als all diese Regeln ist jedoch die Absicht des Root-Workers. Manche betrachten es zum Beispiel eher als Empfehlung, 3, 7 oder 9 Zutaten zu verwenden. Auch die Gegenstände selbst sind nicht fest vorgegeben, sondern werden nach kultureller und persönlicher Bedeutung ausgesucht.
Um den Mojo-Beutel zu aktivieren, hält er ihn vielleicht einfach einen Moment in den Händen, pustet sanft etwas Luft auf ihn oder legt ihn ins Sonnen- oder Mondlicht. Mit diesem magischen Talisman ist er jedenfalls gut gerüstet für diese finstere Nacht und kann sich jedem bösen Geist stellen. Wünschen wir ihm trotzdem viel Glück!
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass Hoodoo keine Halloweengeschichte ist, sondern eine echte, jahrhunderte alte afroamerikanische Tradition mit tiefer kultureller und religiöser Bedeutung. Entstanden ist es aus der Vermischung afrikanischer, indigenamerikanischer und europäischer Einflüsse. Unglaublich, was alles geschehen musste, damit diese volksspirituelle Praxis entstehen konnte, oder? Aber leider ging Hoodoo nicht nur aus dem zufälligen und friedlichen Zusammentreffen verschiedener Kulturen hervor. Nein, es entstand in der Zeit der Sklaverei, in der Menschen dieser Kulturen dazu gezwungen waren, auf engstem Raum zusammenzuleben und so ihr Wissen um Religion, Heil- und Magiepraktiken austauschten.
🎃 Tales of Halloween (2015)
In einer schaurigen Halloweennacht sendet eine Radiostation Gruselgeschichten. Manche lustig, manche verstörend aber am Ende sind sie alle miteinander verbunden.
🎃 Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn (2015)
Was könnte eine Halloweennacht gruseliger machen als das Monster, das wir schon alle kennen?
🎃 Mirrors (2008)
Als die Welt noch größer und voller Geheimnisse war, streifte ein Wanderer durch das Land. Die dunklen Wolken hingen tief über ihm, und so suchte er, im gelegentlich durchbrechenden Schein des Vollmondes, nach einem Schlafplatz, während die Grillen ihr Lied zirpten.
Vor den Toren von Peine stand zu der Zeit eine verlassene Windmühle. Ihr Holz war bereits morsch, nachdem ihr Bewohner schon jahrzehntelang fort war. Die Peiner mieden diesen Platz. Denn es ging die Sage um, dass es dort nicht mit rechten Dingen zuginge.
Der Müller, einst ein wohlhabender, einflussreicher Mann, verschwand eines Tages spurlos. Doch die wenigen, die sich des Nachts in die Nähe der Mühle trauten, berichteten von einem geisterhaft grünen Leuchten, das sich den Weg aus der Mühle bahnte, und von dem immerzu ratternden und mahlenden Mühlenstein, der sich auch dann noch drehte, wenn die Flügel stillstanden.
Die Bewohner munkelten, der Müller hätte ein Geschäft mit dem Teufel gemacht – wohlhabend im Leben, aber nach seinem Tod an die Mühle gebunden. Dazu verdammt, Getreide zu mahlen, bis eine lebende Seele mit ihm den Platz tauscht.
Der Wanderer ließ seine Hände über das Korn gleiten, das die Windmühlenruine umgab, während er ihr immer näher kam. Die Halme wogen sich in einer sanften Brise rauschend hin und her wie Wellen im Meer. Das Mondlicht offenbarte derweil die von Wind und Regen zerfressenen Mühlenflügel. Auch einige Schieferziegel fehlten bereits, sodass mehrere Löcher im Dach klafften. Einige größer als andere, doch als Unterschlupf für die Nacht würde die Mühle reichen.
Kurz bevor der Mond wieder hinter den Wolken verschwand, fiel sein Licht direkt auf den Eingang der Mühle, als ob er ihm den Weg weisen wollte. Die morsche Tür war zwar verriegelt, doch vermochte sie nicht, ihn aufzuhalten. Mit einem Ruck an dem alten Holz sprang der Riegel krachend aus dem rostigen Schließblech.
Bereits als er seine ersten Schritte in das verfallene Bauwerk setzte, kroch ihm der Geruch von altem Mehl und feuchtem Holz in die Nase. Eine unheimliche Stille breitete sich aus. Das Rauschen des Windes im Feld – ja, selbst das Zirpen der Grillen –, das er eben noch so deutlich vernommen hatte, wurde von der Mühle verschluckt.
Die Bretter des Fußbodens knarrten, als er tiefer in das finstere Erdgeschoss ging, um sich umzusehen. Obwohl der Wanderer die Geschichten, die sich die Peiner erzählten, nicht kannte, trieb ihm dieser Ort eine Gänsehaut über den Körper. Und doch ging er weiter.
„Als ob hinter jeder Ecke etwas lauert“, murmelte er, während er prüfend hinter jedem Balken und Mechanismus sah, um sich selbst das Gegenteil zu beweisen. Seine Atmung wurde flacher, als ob ein Kampf bevorstünde.
Huschte da gerade ein Schatten hinter ihm entlang?
„Nein. Einbildung.“ Lachte er nervös, während er seinen Hut abnahm, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.
Was war das für ein leises Klackern? Als ob die Geräusche der Maschinen, die einst nie stillstanden, bis in die Gegenwart nachhallten. Oder würden sie gar noch auf die eine oder andere Weise betrieben werden?
„Unsinn!“, flüsterte er, um sich selbst zu beruhigen. Und doch malte er sich gleichzeitig aus, welche Spukgestalten diese alten Mauern beherbergen könnten.
Sein Blick wanderte vorbei an einem großen Zahnrad, das vor langer Zeit verschiedenste Maschinen antrieb, über die scheinbar wirren Wege des Gebälks, das die Etagen voneinander trennte. War das gerade ein grün schimmernder Lichtschein, der dort durch die Lücken der Luke an der Decke glühte?
Der Mond! Nur der Mond.
Sein Blick sprang zwischen dem Ausgang und der Treppe zum Mehlboden hin und her. Aber vielleicht sollte ich ... Nur zur Sicherheit, doch nachsehen. Als er seinen Fuß auf die unterste Stufe der Treppe setzt, zuckte er zusammen, als der warnende Ruf eines Uhus durch die Ruine schallte.
Hat das Tier etwa die nerven, an diesem Ort zu nisten?
Sein abgewetzter Mantel wirbelte den Staub auf, als er den Mehlboden erreichte. Nun wurden auch die feinen Lichtkegel sichtbar, die der Mond durch die schmalen, teils gesplitterten Fenster warf.
Inmitten der alten Maschinen ragte aus der Decke eine hölzerne Rinne hinab, durch die vor langer Zeit Tonnen von Mehl flossen. In dieser Nacht jedoch heulte nur noch der Wind hindurch. Während der Wanderer das Werkzeug des Müllers betrachtete, das in einer kleinen Nische in der Wand untergebracht war, überkam ihn abermals das Gefühl, nicht alleine zu sein. Doch dieses Mal intensiver. Als ob jemand so dicht hinter ihm stand, dass er seinen Atem im Nacken spüren konnte. Nun saß ihm die Furcht jedoch so tief in den Knochen, dass sein Körper ihm nicht mehr gehorchen wollte.
„Nun dreh dich um!“, versuchte er, sich Mut zuzusprechen. „Außer dir ist hier niemand.“, doch
die verkrampften Muskeln bewegten sich kein Stück.
Plötzlich ließ ihn ein lauter Knall zusammenfahren. Er spürte seinen rasenden Herzschlag durch den ganzen Körper. Dieser Schreck löste seine Füße wieder vom Boden. Die Tür, durch die er eben noch den Raum betrat, wurde mit Wucht ins Schloss geworfen.
Der Wind? Ja! Nur ein Windstoß.
Mit zitternden Händen eilte er zur Tür und versuchte, sie zu öffnen. Doch es war, als ob eine übermenschliche Kraft entschied, diese dünne, einfache Tür zur unüberwindbaren Grenze zum Rest der Welt zu machen. Eilig ging er zurück zur Werkzeug-Nische und griff nach einem rostigen Hammer. Zur Not würde er die ganze Tür aus den Angeln heben. Entschlossen wandte er sich wieder den Brettern zu, die zwischen ihm und seiner Freiheit standen. Doch was er sah, ließ ihn den Hammer sogleich wieder entgleiten und mit einem dumpfen Poltern auf den alten Dielen aufschlagen. Ein seltsamer Schwindel erfasste ihn.
Die Treppe zum Mahlboden – eine Etage höher – war in grünem Licht getaucht. Dasselbe Licht, das sich bereits durch die Lücken der Luke im Erdgeschoss angekündigt hatte. Seine Augen weiteten sich. Unmerklich schlich sich ein konfuses Lächeln in sein Gesicht. Stimmen schienen von der Treppe herab zu wispern:
„Komm hinauf! Komm hinauf!“
War es die Faszination für das Unerklärliche oder das Unerklärliche selbst, das seine Schritte lenkte, als er mit starrem, glasigem Blick Stufe für Stufe die knarrende Treppe erklomm? Seine Hand glitt über das splitterige Holz des Geländers, in dessen Maserung eine harte, bräunliche Masse klebte, die einst eine dünne Mehlschicht war, die unzählige Male die kalte, feuchte Winterluft wie auch die trockene Sommerhitze erfuhr. Als er den ersten Schritt auf den Mahlboden setzte, wurde das Flüstern intensiver.
„Komm näher! Hier entlang!“
Es schien seinen Ursprung im Herzen der Mühle zu haben – den Mahlsteinen. Das Gehäuse, das die Steine schützte, war geöffnet, als würde der Müller selbst den Wanderer einladen, näher zu treten. Mit weit aufgerissenen Augen schritt er auf die Steine zu, wie hypnotisiert.
Die Dielen unter seinen Füßen vibrierten. Ein rhythmisches Pochen durchdrang die Mühle, als würde sie zu neuem Leben erwachen. Und da war auch wieder das geheimnisvolle Glühen, das sich seinen Weg direkt aus den scharfkantigen, spiralförmigen Riffeln aus dem Inneren der Mahlsteine bahnte. Je näher der Wanderer kam, umso intensiver glühte es aus den rauen Steinen heraus. Die Spinnweben um sie herum glitzerten im geisterhaften Schein, während sie in einem leichten Windhauch hin und her schwangen.
Die Fingerspitzen des Wanderers kribbelten elektrisch, als er die Hand ausstreckte, um das Herz der Mühle zu berühren. Alles um ihn herum verschwand hinter schwarzem Nebel. Die Welt existierte nicht mehr – nur noch er und die Mahlsteine.
Doch als nur noch wenige Millimeter zwischen ihm und den Steinen lagen, glitt ein Uhu fast lautlos vom Gebälk hinab, um sich auf den Mahlsteinen niederzulassen. Der Wanderer schreckte zurück. Doch zugleich war seine Aufmerksamkeit von etwas Neuem gebannt – den großen orangeroten Augen des Vogels.
Bewegungslos saß der Uhu da und starrte den Wanderer an. Die schwarzbraun gesprenkelten Federn verschmolzen fast mit der Umgebung. Doch die immer heller leuchtenden Augen, in denen die Kraft einer ganzen Welt zu liegen schien, brannten sich durch den Raum wie glühende Kohlen durch die Nacht.
Das grüne Leuchten der Mahlsteine hingegen verlor an Intensität. Die flüsternden Stimmen verrauschten zu einem unverständlichen Raunen. Ein unheimliches Brodeln lag in der Luft, als ob ein unsichtbarer Kampf tobte. Plötzlich erschütterte ein lauter Knall die Mühle bis in ihre Grundfesten und riss den Wanderer aus seiner Trance. Der Uhu wandte seinen Blick zur Tür, als wollte er sagen:
„Lauf!“
Hektisch sah der Wanderer sich um, während er sich die Augen rieb, als sei er gerade aus einem tiefen Schlaf erwacht und befände sich doch noch inmitten eines Albtraums. Was hatte ihn nur dazu getrieben, hier hinaufzugehen … Nein, überhaupt hineinzugehen? Benommen taumelte er zur Treppe.
Nur raus hier!
Als er fast wieder auf dem Mehlboden war, kamen ihm die Erinnerungen zurück. Die Tür war verschlossen. Er bog um die Ecke, bereit, sie gewaltsam mit dem zurückgelassenen Hammer zu öffnen. Doch zu seinem Erstaunen fand er sie weit geöffnet vor. Er stürmte die Treppe hinab, durchquerte das Erdgeschoss, so schnell seine Beine ihn trugen, und lief hinaus ins Freie.
Als er sich ein Stück weit von der Mühle entfernt hatte, zog er die frische Luft tief in seine Lungen, während er dem Zirpen der Grillen und dem Rauschen des Windes lauschte.
Geschafft!
Er wusste genau, wäre ihm der Uhu nicht beigestanden, hätte er diesen Ort nicht mehr verlassen. Und manch ein Peiner behauptet auch heute noch: Wenn der Wind durchs Korn fegt und der Vollmond hoch am Himmel steht, könne man von weitem die Mahlsteine rattern hören
Info
Die Sage, die sich in dieser Geschichte die Peiner erzählen, ist frei erfunden und existiert nicht als Historische Aufzeichnung oder ähnliches.
Als ich in einer stürmischen Nacht in meinem Keller all die scharfen, jedoch teilweise angerosteten,
Werkzeuge sortierte, kam mir unter dem flackernden Neonlicht eine Idee. Ein Blitz zuckte über den
Himmel, als ich vor die Tür trat. Der kalte Regen peitschte mir ins Gesicht, als ich mir den Weg
zum Schuppen erkämpfte, in dem ich das Material für meine Kreationen lagere – und so … baute
ich mir einen Fotohalter.
Was du brauchst, um dir auch einen zu bauen:
• Ein Stück Holz
• Eine Säge
• Schleifpapier
• Farbe (optional)
Dieser Fotohalter ist eine sehr einfache Methode, um ein Foto präsentieren zu können.
Das Holz wird für Fotos im Postkartenformat auf etwa 130 mm × 50 mm zugeschnitten. Eine Dachlatte oder etwas Ähnliches ist dafür ideal, da man sie einfach nur kürzen muss.
Ungefähr in der Mitte des Abschnitts wird ein gerader Längsschnitt gemacht, etwa 2 - 3 mm tief, sodass ein Foto hineingesteckt werden kann.
Jetzt nur noch etwas schleifen und wer will, kann den Fotohalter jetzt noch lackieren, eine Lasur auftragen, ölen oder irgendeine andere Oberflächenbehandlung vornehmen.
Er kann aber auch in anderen Formen gebaut werden. Vielleicht ein Dreieck, in dem zwei oder drei Fotos gleichzeitig Platz finden? Oder ein drehbares Oktogon, das in der Mitte eine Erhöhung hat, in der noch mehr Fotos gesteckt werden können? Okay, ich gebe es zu. Das Oktogon wäre eventuell etwas übertrieben. Aber der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Was das mit Halloween zu tun hat? Der Fotohalter wird selbstverständlich dazu genutzt, ein dämonisches oder geisterhaftes Foto als Deko aufzustellen.
🎃 The Monster Mash - The Rhythm Coffin
🎃 Batman, Wolfman, Frankenstein Or Dracula - The Diamonds
🎃 Billy Lee Riley - Nightmare Mash
🎃 Werewolf - Five Man Electrical Band
Und HIER↗ geht's zur Playlist auf Youtube
🎃 Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Die Lichter der Kürbislaternen brachten das ganze Dorf zum Glühen, als Levi am frühen Abend eintraf. In den Vorgärten zogen Nebelschwaden über Gräbern, aus denen Zombies versuchten, sich auszugraben. Geister mit glühenden Augen und zerfetzten Gewändern stöhnten oder kreischten in die Finsternis hinein. Skelette sprangen wild lachend aus Särgen. Und es war eine schier endlose Masse verkleideter Kinder auf den Straßen unterwegs, um Süßigkeiten zu sammeln. Dieses Dorf nahm Halloween wirklich ernst.
Levi war zwar nur auf der Durchreise, aber dieses Spektakel konnte er sich nicht entgehen lassen.Sein in die Jahre gekommenes Auto knarrte, als er es mitten im Dorf parkte. Dort, wo am meistenlos war. Sein krauses blondes Haar fiel ihm ins Gesicht, als er ausstieg und seine abgewetzte,braune Lederjacke schloss. Am Bauch saß sie etwas enger als sie sollte.
„Hmm, muss eingelaufen sein“, dachte er grinsend, aber wohl wissend, dass er in letzter Zeit die eine oder andere Pizza zu viel gegessen hatte.
Sein Plan? Spazieren gehen und die von Süßigkeiten, Kürbissen und geisterhaften Schreien getränkte Atmosphäre genießen.
Als er an einem Haus vorbeiging, in dessen Vorgarten drei Skelette an einem Tisch saßen und ein Festmahl genossen, hörte er eine Stimme.
„Na, möchten Sie auch ein paar Süßigkeiten?“
Aus dem Schatten nahe der Haustür trat eine Dame grinsend hervor. Die Fetzen ihres schwarzen Kleides flatterten im sanften Wind. Den großen, spitzen Hexenhut hatte sie sich tief ins bleiche Gesicht gezogen. Und so wartete sie mit einer großen Schale Süßigkeiten in den Händen und Blutspritzern im Gesicht darauf, die Süßigkeiten an den Kindern zu verteilen.
„Ich glaube, aus dem Alter bin ich inzwischen raus“, lächelte Levi. „Hier scheint ja wirklich jeder Spaß an Halloween zu haben.“
„Ja, die meisten. Über die Jahre wurden es immer mehr Jack-o'-Lanterns. Aber ein paar ließen sich nicht von der Stimmung anstecken. Unter den Kindern geht ironischerweise der Glaube um, dass es ausgerechnet in denen Häusern spukt, die keine Geister und Monster im Vorgarten haben.“
Die bleiche Dame hatte ihren Satz gerade beendet, als schon die nächsten Kinder eintrafen. Sie drängten Levi wild zur Seite und umringten sie. Levi hob lächelnd die Hand zum Abschied. Die Dame nickte ihm zu, während sie Mühe hatte, die Schale nicht fallen zu lassen, da alle Kinder gleichzeitig versuchten, etwas zu ergattern.
***
Inzwischen hatte es sich stark abgekühlt und der kalte Wind fuhr Levi in die Knochen. So stellte er den Kragen seiner Jacke auf und setzte seinen Spaziergang fort – immer noch von den übermütigen Kindern amüsiert. Am Rande des Dorfes standen weniger Häuser und damit auch weniger lichtspendende Jack-o'-Lanterns. Schließlich fand er sich vor einem großen Anwesen wieder. Es
war von einer eiskalten Finsternis umgeben, die er sich allein mit der Schwärze der Nacht und ihrer frischen Luft nicht erklären konnte. Eine Gänsehaut überzog seinen Körper.
„Kein Wunder, dass die Kinder glauben, hier würde es spuken.“, dachte er, während sein Blick – fasziniert von diesem schwarzen Fleck im ansonsten leuchtenden Dorf – durch das Tor hindurch über das Grundstück wanderte.
Selbst aus dem Haus drang kein einziger Lichtschein. Levi wollte gerade weiterziehen, als zwischen den struppigen Büschen etwas aufblitzte und sie raschelnd in Bewegung versetzte. Seine Augen weiteten sich, als er erkannte, dass dort jemand einen leblosen Körper hastig über den Boden schliff.
„Ist das etwa ein Kind?“, dachte Levi.
Konnte das in einem so einladenden Dorf sein? Es war dunkel, ja. Aber die Größe des Schattens, der dort entlanggezerrt wurde, passte zu keinem Erwachsenen. Es war jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen Menschen handelte. Und wenn es so war, durfte er keine Zeit verlieren. Wie in Trance kletterte er über das Tor und rannte los. Doch bereits nach wenigen Schritten wurde er entdeckt.
„Verschwinde von hier!“, rief die größere Gestalt von weitem. „Hau ab!“
Aber das konnte Levi nicht aufhalten. Im Gegenteil. Hier wollte jemand nicht bei seiner Tat entdeckt werden. Er holte immer weiter auf, während die Gestalt das vermeintliche Kind weiter zum Haus schleppte. Und doch musste er mit ansehen, wie das Kind ins Haus gezogen wurde. Levi schlug gegen die Tür.
„Aufmachen!“, schrie er.
Und tatsächlich, die Tür öffnete sich einen Spalt, aus dem sich blitzschnell ein Arm streckte, Levi am Kragen packte und ebenfalls hineinzog.
***
Da war sie wieder, diese Finsternis, die ihn bereits draußen schaudern ließ. Aber jetzt steckte er mittendrin. Er zitterte. Nicht nur aus Furcht, denn es schien in diesen Räumen noch kälter zu sein als draußen. Auch der Versuch, sich loszureißen, lief ins Leere. Denn der Griff seines „Gastgebers“ war stark, und den Ausgang würde er ohne Licht sowieso nicht mehr finden, nachdem er bereits um mehrere Ecken gezerrt wurde. Die Gestalt sprach kaum in der Dunkelheit. Nur gelegentlich flüsterte sie:
„Komm schon! Schneller!“, als ob sie selbst Angst hätte.
Als sich Levis Augen an die Finsternis gewöhnt hatten, zeichneten sich schemenhafte Umrisse von Türen, Regalen, Tischen und Stühlen ab. Und schließlich konnte er einen schwachen Lichtschein erkennen, der aus einer herangelehnten Tür fiel. Diese war offenbar auch das Ziel des wortkargen Bewohners dieses geisterhaften Hauses.
Hinter der Tür verbarg sich ein Zimmer, das von Kerzenlicht durchdrungen war. Die Schatten von kleinen, zugebundenen Stoffsäckchen, Stapeln von staubigen Büchern und kleinen, verkorkten Flaschen tanzten auf den Tischen und Regalen. In kleinen Metallschälchen befanden sich Reste von Kräutern und verschiedenen Flüssigkeiten, die das wenige Licht als fremdartige Muster an die Wände und Decke spiegelten.
„Keine Fenster“, stellte Levi auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit fest.
In seinem Kopf zeichnete sich langsam eine Karte des Hauses ab, obwohl er von so viel Adrenalin durchströmt war, dass er kaum klar denken konnte. Offenbar befand er sich im Zentrum des Gebäudes.
„In Sicherheit.“, stöhnte der Mann, den Levi bisher nur als Schatten kannte.
Ein lilafarbenes Hemd hing schlaff von seinen Schultern. Den grauen Vollbart hatte er mit einem Lederband zu einem Zopf zusammengebunden und sein schwarzer Hut wurde von einigen braunen Federn mit schwarzen Streifen geschmückt, die unter dem Hutband steckten. Um den Hals glänzte ein Medaillon mit einem eingeritzten Symbol aus Linien und Kreisen.
Doch all das lenkte nicht davon ab, dass sich tiefe Schatten unter seinen Augen abzeichneten. Er wirkte abgekämpft. Als ob er viele schlaflose Nächte erlebt hätte.
Levi hatte eher mit einem Verrückten mittleren Alters gerechnet. Aber ein älterer Herr, der zwar etwas extravagant wirkte, den man aber durchaus eher an einem sonnigen Tag beim Enten füttern erwarten würde statt in so einer absurden Situation? Nein.
„Was soll das alles hier? Und wo ist das Kind, das sie hier reingeschleppt haben?“, fragte er aufgebracht. “Und wer sind Sie überhaupt?“
Der Mann trat ein Stück zur Seite, sodass Levi das Kind – einen etwa 8-jährigen Jungen –, immer noch in seinem Teufelskostüm, auf einem Sofa liegen sah. Bewusstlos, aber ansonsten unversehrt. Nur die Maske wurde ihm abgenommen und auf den Beistelltisch neben ihm gelegt, damit er besser atmen konnte.
„Ich weiß, wie das aussieht“, sagte er, immer noch nach Luft schnappend und dennoch mit viel zu ruhiger Stimme. „Ich heiße Rune und ich musste euch reinholen, um …“ Er hielt inne, als ob er jedes Wort prüfte, bevor er es aussprach. „Sonst hättet ihr selbst zu spüren bekommen, wozu er fähig ist.“
Eine Antwort, die mehr Fragen aufwarf, als sie beantwortete.
„Was soll das denn heißen?“
Doch bevor Rune antworten konnte, durchzog ein tiefes Grollen das gesamte Haus, das es heftig erzittern ließ. Levi taumelte hin und her. Fast verlor er das Gleichgewicht, während die kleinen, kunstvoll gefertigten Flaschen in den Regalen aneinander klimperten. Zwei davon fielen mit lautem Klirren zu Boden. Die Flüssigkeit, die sie enthielten, floss über den alten Holzfußboden, bis sie schließlich in seinen Lücken versickerte.
„Was war …? Oh, nein!“ unterbrach Rune sich selbst. „Das ist nicht gut.“. Er lief zur gegenüberliegenden Tür. „Komm mit!“, rief er Levi zu.
Levi schaute zu dem Jungen, der immer noch bewusstlos da lag. „Aber …“
„Hier ist er am sichersten“, unterbrach Rune ihn. „Noch hält der Schutz. Aber wir müssen uns beeilen. Er ist im Haus.“
Levi zögerte einen Moment. In seinem Kopf drehte sich alles. Wer ist im Haus? Rune scheint in einer anderen Welt zu leben. Konnte er ihm vertrauen? Und was zum Teufel hat das Haus dermaßen zum Beben gebracht? Wo ist er hier bloß hineingeraten und viel wichtiger: Wie kam er wieder heil heraus?
„Wo bleibst du?!“, drängte Rune aus der Finsternis des Flures hinter der Tür.
Levis Blick sprang zwischen der offenen Tür und dem jungen hin und her.
„Warte!“, rief er, während er auf die offene Tür zuging. „wer ist 'er'? Und was ist hier überhaupt los?“
Jeder Schritt fühlte sich so an, als ob seine Füße auf dem Boden fest klebten. Doch irgendetwas ließ ihn weiter gehen
***
Hinter der Tür stieg ihm ein modriger Geruch in die Nase. Das dunkle Holz der Wandvertäfelung sah so aus, als hätte es viele Generationen überlebt. Jeder Kratzer eine Erinnerung, jeder Riss ein Überbleibsel eines Lebens, das längst nicht mehr auf dieser Welt weilte. Obwohl Levi sich nicht so sicher war, ob sich innerhalb dieser Mauern nicht doch noch ein paar Seelen der Vergangenheit aufhielten.
Schließlich fielen ihm die Bilder auf. Sie zeigten Menschen in ungewöhnlicher Kleidung. Manche von ihnen trugen Hüte, die mit Knochen kleiner Tiere oder Federn geschmückt waren. Ähnlich wie der Hut von Rune, der mit einer Kerze vorausging und nur mit Hilfe der flackernden Flamme seinen Weg durch die Gänge fand.
Die Dielen knarrten bei jedem Schritt der beiden. Es war kein Windzug zu spüren und doch drohte die Flamme der Kerze fast zu verlöschen. Rune blieb kurz stehen und legte schützend seine Hand um sie. Erst jetzt entdeckte Levi die verschiedenen Symbole, die mit Holzkohle zwischen den Bildern gemalt waren. Ein kunstvolles Chaos aus Wellen, Kreisen, Strichen und Spiralen.
Während er sich noch fragte, was sie zu bedeuten haben, dröhnte ein dumpfes Schaben durch die Wände, als ob etwas Großes, Schweres mit Gewalt über den Fußboden geschoben wurde. Rune lauschte nach dem Schaben und Schleifen, dem Knarren und Poltern, als ob er es als eine Art Wegweiser betrachtete.
„In Nächten wie dieser führen die Wege in diesem Haus nicht immer zu ihren ursprünglichen Zielen“, flüsterte er. „Halloween, Fête Gede … In diesem Dorf vermischen sich die Welten. Die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der der Geister ist um diese Jahreszeit ohnehin sehr dünn und hier, an diesem Ort, ganz besonders.“
Die Kerze warf unnatürlich zuckende Schatten an die Wände. Einer davon schien Levi fast schon anzustarren.
„Komm schon“, dachte Levi. „Seit wann können Schatten starren?“
Aber woher kam dieses Ding, das aussah wie ein grässlich verformter Kopf? Levi blieb direkt neben ihm stehen, versuchte, seinen Ursprung zu finden – vergeblich. Gerade als sein Blick zurück zum Schatten wanderte, löste dieser sich von der Wand und stürmte auf ihn zu. Leere Augenhöhlen formten sich in der Schattenfratze, die von glühenden Rissen durchzogen waren. Levi schrie auf,
woraufhin der Schatten sich nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht buchstäblich in Rauch auflöste.
Levis lautstarker Hinweis auf dieses Schattenwesen ließ Rune zusammenfahren. Er schien nichts Außergewöhnliches bemerkt zu haben.
„Es ist wahr!“, stammelte Levi. „Es ist wirklich wahr! Jetzt verstehe ich, was du mir die ganze Zeit sagen wolltest. Aber wer … Und warum …“
„Beruhige dich. Ja, es ist wahr. Deswegen müssen wir auch schnell den Weg zur Bibliothek finden. Dort steht ein Buch, womit ich den Schutz aufrechterhalten kann.“
In diesem Moment wurde Levi klar, dass nicht mal Rune wusste, wo sie sich gerade befanden und in welcher Richtung sie gehen mussten. Es fühlte sich an, als wären sie schon mehrmals durch das ganze Haus gelaufen waren, ohne einen einzigen Raum gesehen zu haben. Nur ein Labyrinth aus Gängen, das sich offenbar ständig veränderte.
Levi fragte sich, was wohl noch auf sie lauern würde. Bliebe es bei schattenhaften Visionen? Nein, Runes rätselhafte Erklärungsversuche deuteten ja bereits an, dass sie sich in deutlich größerer Gefahr befanden.
„Gibt es noch mehr von diesen Dingern? Und was sind sie überhaupt?“, fragte er Rune.
„Viele. Aber gefährlich wird uns nur dieser. Und sie sind … Geister, wenn du so willst. Übernatürliche Wesen. Manche wurden nach ihrem Tod zu ihnen und manche existieren schon seit tausenden oder vielleicht sogar schon Millionen Jahren.“
Jetzt wusste Levi, warum Rune die ganze Zeit schon von dieser seltsamen Aura umgeben war, die er nicht in Worte fassen konnte. Die seltsamen Symbole überall, die Kleidung der Menschen auf den Bildern – das alles erinnerte ihn sehr an die unzähligen Urlaube in New Orleans, in denen er sich, getrieben von einer gewissen Neugier, in kleinen okkulten Läden herumtrieb.
„Du bist ein Voodoo-Priester … Richtig?“
Rune setzte seine Suche wortlos fort. Levi folgte ihm nun dichter als noch vorhin.
„Was uns wohl hinter der nächsten Ecke erwartet?“, dachte er sich, während abermals dieses knarrende Schaben durch das Haus drang. Es schien lauter zu werden, näher zu kommen, die Flure und Räume neu anzuordnen.
Nicht nur die Orientierung ging in diesen dunklen Gängen verloren, sondern auch das Zeitgefühl. Levi konnte nicht mehr sagen, ob sie seit einer Stunde oder der halben Nacht umherwanderten. In Gedanken malte er sich die schrecklichsten Monster und Tode aus, während die Zeit zu kriechen schien, die Wände immer näher rückten. Gerade als Levis Nervosität einen neuen Höhepunkt
erreichte, wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als Rune plötzlich ruckartig stehen blieb und in die Dunkelheit starrte, wohin das Licht der Kerzenflamme nicht vordringen konnte.
„Da ist sie!“, flüsterte er fast schon erleichtert.
Endlich hatten sie ihr Ziel erreicht. Doch als sie näher an die Tür der Bibliothek herantraten, erkannten sie, dass dort etwas auf sie wartete. Eine Gestalt, etwa halb so groß wie Levi.
Die beiden schauten sich fragend an. Keiner wusste, was sie tun sollten. Doch nach einem Moment fassten sie Mut und gingen auf das Wesen zu. Es stand so ruhig da, dass man meinen konnte, es wäre eine Statue. Rune griff nach seinem Amulett, als ob er jemanden bitten wollte, ihnen beizustehen. Nur noch wenige Zentimeter lagen zwischen ihnen und dem Wesen. Das Kerzenlicht
offenbarte nun, dass es eine schwarze, zerfetzte Robe trug, die Levi aus irgendeinem Grund bekannt vorkam. Aber was war das an seinem Kopf? Wuchsen da etwa Hörner aus seinem Schädel? Plötzlich fuhr das Wesen herum. Rune und Levi taumelten erschrocken mit einem kurzen, panischen Schrei zurück. Das Wesen griff sich an den Kopf und … schob seine Teufelsmaske, die ihm eben ins Gesicht gerutscht war, wieder ein Stück nach oben?
Rune konnte sich ein verstohlenes Lachen nicht verkneifen, als er realisierte, dass sie sich gerade vor dem geretteten Kind erschreckt hatten.
„Wie bist du denn hierher gekommen?“, fragte er immer noch leicht grinsend.
Der Junge blickte verwirrt drein. „Ich bin einfach durch die Tür da gegangen“, erklärte er, während er auf eine Tür hinter Rune und Levi deutete.
„Das ist jetzt nicht sein Ernst!“, murmelte Levi ungläubig, aber grinsend, während er die Hände über dem Kopf zusammenschlug.
Der junge Teufel war verwirrt wie noch nie. Gerade als er Luft holen wollte, um zu fragen, wer die beiden überhaupt sind und was das für ein komisches Haus ist, drängte Rune schon darauf, weiterzugehen.
„Wir müssen weiter! Die Zeit drängt und hier sind wir fast ungeschützt.“
***
Knarrend öffnete sich die alte Tür. Es lag der Geruch von Staub, alten Büchern und Holz in der Luft. Rune ging voraus und zündete eine aus Messing gefertigte – der Patina nach offenbar antike – Petroleumwandlampe mit seiner Kerze an. Dann reichte er sie Levi.
„Hier, zünde die anderen an.“
Levi wollte es gerade tun, als ein angsterfüllter Schrei durch die Bibliothek schallte. Doch schon kurz darauf – Entwarnung. Kein Geist, nur ein junger Abenteurer im Teufelskostüm, der immer noch zitternd vor zwei Gewändern stand.
„Wow! Diese Kleidung muss wirklich alt sein“, staunte Levi und beruhigte ihn damit gleichzeitig ein wenig.
„Ja, die roten Federn da am Hut gefallen mir.“
Der Rest bestand aus cremefarbenen, lockeren Hemden, auf denen unzählige Zeremonien ihre Spuren in Form von Flecken und abgewetzten Stellen hinterlassen hatten. über den Schultern: ein Überwurf, der wie ein breiter Schal wirkte. Rote Tücher und Bänder wickelten sich von dort aus bis zur Hüfte herum. Manche breiter mit tieferem Rot als andere, einige sogar mit Perlen verziert.
Offensichtlich gehörte diese Kleidung zwei bedeutenden Vorfahren von Rune, denn sie waren ordentlich auf zwei puppenartige Gestelle drapiert und recht präsent aufgestellt.
„Würdevoll“, merkte Levi an, bevor er zurückging und die anderen drei Lampen anzündete.
Der beißende Dunst des Petroleums kroch ihm in die Nase, während ihm auffiel, dass zwischen all den Ranken und Blumen, die sich kunstvoll um die Lampen herumschlängelten, ähnliche Symbole eingeritzt waren wie die, die er bereits im Rest des Hauses sah.
„Was sind das eigentlich für Symbole im ganzen Haus?“, fragte er Rune.
„Sie halten negative Energien fern. Aber die Macht des Wesens, das hier schon seit Generationen gefangen gehalten wird, ist stärker geworden. Heute war es zum ersten Mal dazu in der Lage, ins Haus einzudringen.“
„Es ist gefangen und wird gleichzeitig ferngehalten?“
„Ja, es ist auf dem Grundstück gefangen, wird aber vom Haus ferngehalten. Das haben meine Vorfahren schon so gemacht. Keiner weiß, woher es kam, aber sie hielten es für ihre Pflicht, die Menschen in diesem Dorf davor zu schützen. Also bannten sie es auf diesem Stück Land.“
„Das ist ja eine unglaubliche Geschichte.“
„Wenn du mir nicht glaubst, frag doch den Kleinen. Der hatte vorhin bei seiner kleinen Mutprobe eine Begegnung mit ihm.“
Levi sah sich um. Wo war dieses Kind denn nun schon wieder? Es hatte sich offenbar schnell von dem Schreck erholt und schlenderte nun durch die Bibliothek, als würde es jeden Tag von übernatürlichen Wesen gejagt werden. Neugierig schlug der Junge hier mal ein Buch auf und schaute sich dort – wie hypnotisiert – die Reflexionen der tanzenden Flammen der Lampen in
einem großen Medaillon an.
„Wie heißt du eigentlich?“, fragte Levi ihn.
Er steckte seinen Kopf hinter einem Regal hervor, hinter dem er gerade wieder verschwunden war.
„Felix“, dann wandte er sich Rune zu. „Meinst du diesen Mann ganz in Schwarz?“
Rune brummte nur zustimmend, während er ein dickes, in Leder gebundenes Buch mit vergilbten Seiten aufschlug.
„Der hatte vielleicht gruselige Augen. Ich …“
Doch bevor er fortfahren konnte, zitterte abermals das Haus. Zuerst nur leicht, aber dann Immer stärker und heftiger, bis es einem Erdbeben glich. Und wieder dröhnte dieses wütende und zugleich gequälte Stöhnen durch die Flure. Aber lauter als bisher. Als ob dieses Wesen nun direkt vor der Tür stand.
Einige freistehende Regale schwankten hin und her, sodass deren Inhalt aus ihnen herab fiel. Kurz bevor ein dickes, schweres Buch direkt neben Felix auf dem Boden aufschlug, sprang er geistesgegenwärtig zur Seite und wurde nur knapp verfehlt.
„Hierher!“, rief Rune den beiden zu. „Unter den Schreibtisch!“
Das massive, dunkle Holz eines Regals knarrte bereits warnend, während es sich gefährlich nach vorn neigte. Immer mehr Bücher, Talismane und Schatullen polterten zu Boden. Gerade als sich die drei unter dem Schreibtisch in Sicherheit gebracht hatten, fiel das ganze Regal mit einem lauten Knall zu Boden. Fast gleichzeitig erloschen zwei der Lampen durch einen eiskalten Windzug und
tauchten den Raum in einer bedrückender Dunkelheit.
Wäre es unterm Schreibtisch nicht ohnehin so eng gewesen, hätte sich Felix noch fester an Levi gedrückt. Doch so schnell, wie die Erschütterungen kamen, ließen sie auch wieder nach, bis Rune schließlich feststellte:
„Es ist vorbei.“
Doch kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, schepperte es direkt neben ihnen. Alle drei zuckten erschrocken zusammen. Ihre Blicke sprangen fast synchron in die Richtung des Geräuschs. Nur eine alte, massive Uhr, die vom Schreibtisch fiel.
„Ok“, korrigierte Rune sich selbst. „Jetzt ist es vorbei.“
Die drei krochen aus ihrer Deckung hervor. Rune setzte sich wieder an den Schreibtisch. Seine Hände zitterten, als er das Buch erneut aufschlug. So nahe, so präsent kam ihm dieses Wesen noch nie. Felix schaute sich derweil mit ungebrochener Neugier das Chaos an, während Levi die Lampen wieder entzündete.
Und im Schein des neuen Lichtes entdeckte Felix ein Buch, das in seiner Einfachheit zwischen all den aufwändig gestalteten, oft großen Büchern sein Interesse weckte. Ein kleines, in schwarzen Leinenstoff gebundenes Buch, das keinen einzigen Buchstaben auf dem Einband trug. Als er es aufschlug, entdeckte er eine kunstvoll verschnörkelte Schrift, die sich über das vergilbte Papier
schlängelte.
Mit schräg gelegtem Kopf versuchte Felix, die Schrift zu entziffern, ohne zu bemerken, dass das Buch auch Levis Aufmerksamkeit erregt hatte, der hinter ihm stand und unbemerkt mitlas. Einen Moment herrschte eine tiefe Stille im Haus, bis Levi eine Frage stellte, die alles verändern sollte.
„Rune?! Ist dieses Wesen ein Loa?“
„Wie kommst du denn darauf?“, nuschelte Rune, der inzwischen dabei war, eine Schale, bunte Fläschchen, Kräuter und andere Utensilien aus dem Chaos zu sammeln.
„Weil es in diesem Tagebuch steht.“ Levi las vor: „Zelgrath le Ancien weigerte sich, ihm zu helfen. Wir versuchten, ihn mit allen Mitteln dazu zu bringen, es trotzdem zu tun. Wir gingen zu weit. Er wandte sich gegen uns. So sahen wir uns dazu gezwungen, seinen Zorn zu kontrollieren, so gut wir konnten.“
Rune nahm ungläubig das Buch und las selbst. Sein Blick wurde glasig. Die Hände zitterten so stark, dass die Buchstaben auf dem hin und her flatternden Papier verschwammen. Schließlich ließ er sich schwankend in seinen Stuhl fallen.
„Das ist nicht möglich!“, flüsterte er. „Sie waren Heiler, Houngans. Keine Außenseiter, keine … Bokors.“
Während Rune ins Tagebuch starrte, als befände sich darin eine andere Welt, begannen die Lichter langsam zu verglimmen, als ob etwas die Flammen erstickte. Kurz darauf drangen schwere Schritte durch die Tür.
„Aber es passt“, wurde ihm klar. „Warum sonst hätten sie ihre Heimat verlassen und in ein fremdes Land gehen sollen, fernab von allem, was ihnen heilig war?“
Anders als Rune bemerkten Levi und Felix, dass die Gefahr direkt vor der Tür lauerte und nur auf den geeigneten Moment wartete, die letzte Grenze zu durchbrechen. So bemühten sie sich, den Raum so gut es geht zu verrammeln.
Eines der Regale sollte als physische Barriere dienen. Doch es war so schwer, dass die beiden es kaum bewegen konnten. Ächzend drückten sie es ruckartig Zentimeter für Zentimeter in Richtung Eingang. Das alte Holz knarzte dabei, während es tiefe Riefen in den Boden kratzte.
„Ein Regal gegen eine uralte Macht“, dachte Levi. Er war sich darüber im Klaren, dass es sinnlos war, aber aufgeben kam nicht infrage.
Als es geschafft war, traten die beiden ein paar Schritte zurück und beobachteten wie gebannt die verrammelte Tür.
Und dann geschah etwas Unerwartetes – jemand klopfte an. Allerdings mit einer solchen kraft, dass es an den Donner eines starken Gewitters erinnerte, den man noch tief im Bauch spürt.
„Als ob der Tod persönlich anklopft“, schoss es Levi durch den Kopf. Wobei der Tod wahrscheinlich nicht so gruselig wäre wie das, was hinter dieser Tür auf sie wartete. Aber immerhin hatte dieser Loa den Anstand, zu klopfen, bevor er … Ja, was hatte er eigentlich mit ihnen vor?
Die Luft vibrierte. Levi konnte deutlich spüren: Zelgrath sammelte seine Kräfte. Jeden Moment würde er die letzte Barriere durchbrechen, hereinstürmen, wie die Naturgewalt, die er ja auch war und alles mit sich reißen, was ... doch bevor er weiter denken konnte, unterbrach Felix ihn, indem er näher an Levi heran rückte und fragte:
„Meinst du, er kommt da durch?“
„Nein, bestimmt nicht“, versuchte er, ihn zu beruhigen. „Rune! Wenn du einen Plan hast, wäre jetzt der richtige Moment, ihn umzusetzen.“ Keine Reaktion. „RUNE!“, brüllte Levi, was ihn endlich aus seinem tranceähnlichen Zustand riss.
Rune kniff die Augen zusammen. „Es … Es ist ein Loa. Ein verdrehter.“
Kaum hatte er den Satz beendet, donnerte es abermals durch den Raum. Noch lauter als vorher. Durchdringender. Es bestand kein Zweifel mehr daran, dass Zelgrath le Ancien unmittelbar davorstand, die letzte Grenze – in Form der Schutzsymbole auf den vier Lampen – zu zerfetzen.
Rune war klar: Lange würde dieser Zauber nicht mehr standhalten. Man konnte fast zusehen, wie sich der Nebel in seinem Kopf, hervorgerufen durch die schrecklichen Taten seiner Vorfahren, auflöste. Zumindest für einen Moment. Er lief zu den Gewändern und riss sie mit so einem Schwung von den Gestellen, dass sie hinter ihm klappernd zu Boden fielen, während er bereits auf dem Weg zur Mitte des Raumes war.
Hektisch warf er die dort liegenden Bücher zur Seite, bis er einen freien Platz geschaffen hatte, an dem er eine große Metallschale stellte. Daneben platzierte er weiße Kerzen und legte kleine Stoffbeutel bereit, die verschiedene Kräuter enthielten. Auch eine der kunstvoll geschwungenen Flaschen fand dort ihren Platz. Das Wichtigste war jedoch die Kleidung seiner Vorfahren, die er
direkt vor sich legte.
Als er fertig war, gab er Levi ein Messer. „Hier, zerstöre die Symbole auf den Lampen.“
„Was? Du sagtest, sie würden uns schützen.“
„Das war, bevor ich wusste, was diesem Loa widerfuhr, wie sehr er über Generationen hinweg litt. Meine Ahnen quälten ihn und ich … ich auch“, gab er reumütig zu. „Ich muss das wiedergutmachen, wenn wir diese Nacht überleben wollen.“
Levi zögerte. Kann ein Mensch gegen ein solch mächtiges und vor allem wütendes Wesen etwas ausrichten? Bevor er diesen Gedanken weiterführen konnte, spürte er, wie Felix seine Hand nahm.
„Warum tust du es nicht?“
Ja, warum eigentlich nicht? Rune hatte sie die ganze Nacht hindurch beschützt. Auf seine ganz eigene geheimnisvolle, grummelige Art zwar, aber er schien kein leichtsinniger Typ zu sein. Außerdem: Welche Wahl hatten sie? Flucht? Nein, es gab keine Fluchtwege und selbst wenn, würden sie, wie auf der Suche nach der Bibliothek, in die Irre führen. Kampf? Lachhaft! Levi griff das Messer fester. Entschlossen ging er zur ersten Lampe.
Feine Messingspäne rieselten glitzernd zu Boden. Das Symbol war nicht mehr zu erkennen. Ein tiefes, wütendes Knurren grollte durch das Haus, als Levi das Symbol der zweiten Lampe wegschliff. Es polterte an der Tür, sodass das Regal mühelos einige Zentimeter zurückgedrückt wurde. Das Symbol der dritten Lampe: weg. War das eine Pranke, die an der Tür kratzte? Das Symbol der vierten Lampe: zerstört. Stille.
„Zelgrath le Ancien, komm zu uns herein“, forderte Rune ihn auf. „Wir bitten dich darum.“
Die nächsten Sekunden schienen in Zeitlupe zu vergehen. Die Anspannung war so groß, dass den dreien der Atem stockte.
Und dann, mit einem Mal, flog die Tür krachend auf und schleuderte das Regal zur Seite, als ob es nie ein Hindernis, sondern bestenfalls ein Vorhang gewesen wäre. In der Finsternis des Flures stand eine hochgewachsene, schlanke Gestalt. Zu groß, um aufrecht die Tür passieren zu können.
Geduckt schritt Zelgrath unter dem Türrahmen hindurch. Noch während er sich wieder aufrichtete, fiel sein Blick auf Rune. Knisternd brannten sich seine Fußspuren in den Holzboden ein, als er sich
ihm näherte. Sein rabenschwarzer Körper war rissig wie Holzkohle und verschluckte jeden Lichtstrahl, der auf ihm fiel. Doch aus den Rissen selbst glühte ein unheilvolles orangenes Licht. Die Augen leuchteten rot, wie der feurige Zorn, der über Generationen in ihm wuchs, und schließlich stand er bedrohlich nahe vor Rune.
Als Zelgrath sich zu ihm herabbeugte, spürte Rune die Hitze, die von ihm ausging. Er schaute ihn direkt in die Augen – wie hypnotisiert, fast starr vor Angst. Seine Hände zitterten, als er nach den bereitgelegten Gewändern seiner Ahnen griff – die Ahnen, die diesem Loa so viel Leid angetan hatten und dafür sorgten, dass es noch lange nach ihrem Tod fortgesetzt wurde.
„Ich habe die Wahrheit gesehen. Meine Ahnen verdienen es nicht, als Houngans in Erinnerung zu bleiben“, erklärte er, während er eine Packung Streichhölzer aus seiner Tasche zog.
Er strich ein Streichholz an. Die Flamme spiegelte sich in Zelgraths Augen. Und mit einem Mal brannten die uralten Gewänder lichterloh. Rune ließ sie in die bereitgestellte Schale fallen. Der Raum füllte sich mit beißendem dunklen Qualm, als ob nicht nur die Kleidung, sondern auch eine verdammt alte Schuld verbrannt wurde. Die Augen der drei füllten sich durch den Qualm mit
Tränen, die Sicht verschwamm. Ihre Hälse schnürten sich zu. Keuchend gab Levi Felix zu verstehen, dass er sich auf den Boden legen sollte, um die Folgen des Feuers ein wenig zu mildern.
Schemenhaft konnte Levi erkennen, dass Rune sich im Zentrum des Rauchs kein Stück bewegte. Husten unterdrückend und mit zusammengekniffenen, brennenden Augen stand er unerschütterlich vor Zelgrath. Nicht als Feind, nicht kriechend, sondern als jemand, der jetzt verstand. Jemand, der ihm seine Freiheit zurückgab und sich in seinen Dienst stellte, bis die Schuld beglichen und die ursprüngliche Natur dieser alten Gottheit wiederhergestellt war.
Als nichts weiter als Asche übrig war, streute Rune einige Kräuter aus den Stoffsäckchen darüber, murmelte ein paar unverständliche Worte und goss einen guten Schluck Rum hinzu. Zelgrath beobachtete ihn dabei aufmerksam. Schließlich senkte er mit prüfendem Blick seinen Kopf noch tiefer hinab, um die Schale und deren Inhalt zu begutachten. Und noch während er sich erhob, um Rune ein letztes Mal prüfend zu betrachten, löste sich sein Körper in pechschwarzem Rauch und glühenden Funken auf.
***
Als die ersten Sonnenstrahlen den Nebel durchbrachen und die letzte Jack-o'-Lantern verlosch, drang das Geräusch einer grabenden Schaufel durch die kalte Morgenluft. Feuchte Erde wurde ausgehoben, bis eine kleine, einfache Holzkiste zum Vorschein kam. Rune kniete sich auf den Boden und spürte, wie der kalte Morgentau, der im Gras hing, seine Hose durchnässte. Er hob die Kiste aus dem Erdloch. An ihr klebten noch Reste der Erde, die er sacht zur Seite strich. Als er den Deckel anhob, schlug ihm ein Geruch nach Rauch und Zorn entgegen.
In der Kiste: ein aschgrauer Beutel aus einfacher Baumwolle. Rune griff hinein und holte eine kleine, mit moosgrünem Wachs versiegelte Flasche hervor. Die rote Flüssigkeit darin schien zu brodeln, als würde sie kochen. Dieses unscheinbare Fläschchen war also das Gefängnis eines Loa – der Anker, der ihn an dieses Land band.
Rune legte es auf den Boden und griff nach der Schaufel. Ein Klirren durchstach die morgendliche Stille. Davon aufgescheucht, ergriffen einige Krähen unter lautem Krächzen die Flucht, während die rote Flüssigkeit langsam in die Erde sickerte. Er wusste, dies war nicht nur das Ende einer Ungerechtigkeit, sondern auch der Anfang einer neuen Aufgabe.
Auch Levi und Felix hörten das Fläschchen zerspringen, als sie gerade den Ort ihres Halloween- Abenteuers verließen. Levi lächelte in sich hinein.
„Er hat also Wort gehalten und Zelgrath befreit.“, dann wandte er sich Felix zu. „Komm, ich bringe dich noch nach Hause.“
Levi verzichtete darauf, sich Felix' Eltern vorzustellen. Wie hätte er ihnen schon erklären sollen, was passiert war?
„Wir wurden von einem uralten Voodoo-Geist gejagt“? Wahrscheinlich nicht die beste Idee.
Kurz nachdem Felix ins Haus gegangen war, drangen Freudenschreie bis hinaus auf die Straße. Levi war sich sicher, Felix würde seinen Eltern von allen Ereignissen der Nacht detailliert berichten. Er war sich aber auch sicher, dass sie ihm kein Wort glauben würden.
Und während die Sonne langsam durch die Wolken brach, schlurfte Levi geschafft zurück zu seinem Auto. Noch nie war er so glücklich darüber, das Quietschen der Fahrertür zu hören, als er sie öffnete. Er ließ sich auf den Fahrersitz fallen, schloss für einen Moment die Augen und genoss die Sonnenstrahlen, die ihm ins Gesicht fielen. Doch irgendetwas war anders. Ein Vibrieren, wie er es auch gespürt hatte, als Zelgrath die Bibliothek betrat. Nur unscheinbarer, fast zurückhaltend.
Levi öffnete die Augen und sah sich um. Lange dauerte es nicht, bis er ein in dunkelbraunes Leder geschlagenes Notizbuch fand. Sorgsam mit einer Lederschnur umwickelt, an deren Ende ein ähnliches Medaillon baumelte wie Runes. Nicht versteckt, nicht vergessen, sondern unübersehbar auf den Beifahrersitz gelegt. Das Leder knarrte, als er es aufschlug. Auf den brüchigen, scheckigen Seiten: sorgsam gezeichnete Symbole, ähnlich wie die in Runes Haus, mit handgeschriebenen Anmerkungen versehen und einer Widmung in tiefschwarzer Tinte, die nicht hätte existieren dürfte.
“Levi, willkommen in unserer Welt!“
Info
Die echte Voodoo-Kultur sieht natürlich anders aus. Alle Symbole (im Titelbild), Verhaltensweisen und Rituale sind frei erfunden und im Grunde nur Voodoo-ähnlich.
🎃 Kein Verlag, keine Sponsoren. Aber wenn du das nächste Abenteuer unterstützen möchtest, wirf gern etwas ins Sparschwein.
🎃 Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Du hast noch nicht genug? dann schau dir doch das Halloween Special 2025 oder meine Halloween Fototour 2025 an
👻 Happy Halloween 🎃
Designed with Mobirise
Free Web Page Builder