Ganze zwei Monate ist es her, dass ich etwas Neues hochgeladen habe. Kein Wunder, denn zwischen Arbeit, Haushalt, noch mehr Arbeit, Reparaturen und etwas Arbeit hatte ich kaum noch Freizeit. Und wenn ich Freizeit hatte, habe ich mich etwas erholt – oder es zumindest versucht – und mich um die Technik gekümmert, die hinter den Fotos, Videos und auch dieser Website steht. Jetzt ist es aber mal wieder soweit. Ich war am Peiner Bahnhof unterwegs. Offen gesagt: Peine hat in meinen Augen sehr viele Probleme und ist nicht mehr die Stadt, mit der ich aufwuchs. Aber hier bin ich immer noch zuhause. So habe ich mich eines Abends auf den Weg zum Peiner Bahnhof gemacht, um dort ein paar Züge zu filmen. Was das Filmen angeht, so bin ich ziemlich schlecht ausgerüstet und habe lediglich ein altes Samsung Galaxy S9 dabei gehabt. An dieser Stelle möge mir der Gott der Filmkunst für die schlechte Bildqualität verzeihen.
Es war ein interessanter Abend, auch wenn ich inzwischen kein so gutes Gefühl mehr habe, wenn ich mich an solchen Orten zu dieser späten Stunde herumtreibe. Ich habe ein paar schöne Aufnahmen von den Zügen von einer Brücke aus gemacht und bin dann an den Bahnsteig gegangen, um dort noch ein paar Detailaufnahmen zu machen. Insgesamt war es eine unspektakuläre kleine Tour. Als ich auf dem Weg zum Parkplatz war, lief ich an einem Taxistand vorbei. Immer noch auf der Suche nach einigen Details benahm ich mich wohl etwas auffälliger als alle anderen, was die Aufmerksamkeit eines Taxifahrers erregte, der mich begrüßte, woraufhin wir ins Gespräch kamen. Ein netter Mensch. Er erzählte mir, dass es heute nicht mehr so schwierig sei, eine Lizenz als Taxifahrer zu bekommen, wie noch vor einigen Jahren. Aber es sei ein harter Job, da man den ganzen Tag hinterm Lenkrad sitzt und mit jedem Menschen klarkommen muss – mal ganz abgesehen von dem dichten Verkehr. Da ich den Job ganz interessant fand und selbst auch schon mal überlegt hatte, als Taxifahrer zu arbeiten, war ich so sehr im Gespräch vertieft, dass ich ganz vergaß, die Taxischilder auf den Dächern der Autos zu filmen. So muss das Video nun leider ohne sie auskommen.
Wieder zuhause angekommen, bearbeitete ich die Videoschnipsel. Aber nicht lange, denn mein Computer spielte nicht mit. Er ist zwar für die Fotobearbeitung gut geeignet, aber für die Videobearbeitung war mein kleiner Laptop entschieden zu langsam. Zwei Tage später kaufte ich mir einen Desktop-PC, der im Vergleich zum Laptop etwa 70 % schneller ist.
Die folgenden zwei Absätze kannst du überspringen, wenn du kein technisches Interesse an Computern hast.
Ab diesem Punkt wurde es kompliziert und zeitaufwändig. Natürlich war Windows 11 vorinstalliert. Da ich aber seit einiger Zeit absolut nicht mehr mit der Firmenpolitik von Microsoft einverstanden bin, konnte das nicht so bleiben. Ich schmiss Windows also runter und installierte Linux Mint, welches ich auf dem Laptop ebenfalls benutze. Ja, ich weiß, es ist nun wirklich nicht das beste Betriebssystem für die Bearbeitung von Fotos und Videos, aber für mich überwiegen die Vorteile deutlich gegenüber Windows. Was ich beispielsweise richtig genieße, ist, dass Linux mir selbst überlässt, wann Updates installiert werden. Windows dagegen… ach, sprechen wir nicht drüber. Auch dass keinerlei Daten gesammelt werden, muss ich hier mal positiv hervorheben. Außerdem stellt Linux kaum Anforderungen an den Computern, sodass es selbst auf sehr alten Rechnern läuft und man sie wenigstens noch als Office-PCs nutzen kann. Allerdings hat Linux nicht nur Vorteile. Man muss ein ganz neues Betriebssystem lernen, wenn man von Windows kommt, und gerade die Kommandozeile kann anfangs etwas überfordernd wirken. Auch die Installation von Programmen ist anders als bei Windows. Man hat verschiedene Wege zur Auswahl: Man kann es über die Kommandozeile machen oder sich das komplette Programm als AppImage herunterladen, was dann nicht einmal installiert werden muss, um es zu benutzen, oder man verwendet die Anwendungsverwaltung, die eine Art App-Store ist. Es gibt auch noch andere Wege, Programme zu installieren, aber diese sind für mich die angenehmsten. Mein Tipp für alle, die wechseln wollen: Installiert Linux in einer virtuellen Maschine und nutzt Perplexity oder ChatGPT für die Einrichtung und bei Fragen. Die sammeln zwar wieder Daten, aber man kann ja nicht alles haben.
Mein Plan war es, den Desktop-PC per Remote-Verbindung mit dem Laptop zu verbinden, sodass ich weiterhin überall Videos bearbeiten kann, aber die Rechenpower des Desktop-PCs zur Verfügung habe. Wer sich ein bisschen mit Computern auskennt, sollte so etwas doch schnell hinbekommen, oder? Ja, das dachte ich auch. Was ich nicht geahnt habe, war, dass ich über eine Woche jeden Abend nach der Arbeit mindestens noch eine Stunde, meistens aber länger, an den beiden Computern saß und diese Verbindung nicht zustande brachte. Perplexity hat mir dabei sehr weitergeholfen. Ohne diese KI hätte ich es wahrscheinlich immer noch nicht hinbekommen, weil ich tausende Foren und Dokumentationen hätte lesen müssen. Am Ende stellte sich heraus, dass der Desktop von Linux Mint Probleme gemacht hat. Nun verwende ich zwei Desktops: Cinnamon wird gestartet, wenn ich physisch vor dem Desktop-PC sitze, und Xfce, wenn ich per Remote darauf zugreife. Und ja, dafür war viel Arbeit am Terminal (Kommandozeile) erforderlich. Das ist aber auch eine sehr spezielle Situation. Die meisten Sachen kann man auch in Linux über eine grafische Oberfläche machen. Ein kleiner Bonus dieser langwierigen Fehlersuche war, dass ich noch einen kleinen Fehler entdeckt habe, den ich gar nicht gesucht habe. Es war zwar nichts gravierendes und wäre nur relevant, wenn ein Hacker Physischen Zugriff hätte, aber ich freue mich immer, wenn ich die Sicherheit meines Netzwerks weiter verbessern kann.
So, nun geht es aber weiter mit der eigentlichen Bearbeitung des Videos.
Nachdem ich die technischen Probleme gelöst hatte, konnte ich endlich das Video bearbeiten. Darin hatte ich bis jetzt allerdings noch nicht so viel Erfahrung. Mein Fokus liegt ja eher auf der Fotografie, aber das Filmen wird für mich immer interessanter. Da ich mit Linux und dem Laptop anfing, fiel meine Wahl auf die Videoschnittsoftware Kdenlive. Eine schöne, semiprofessionelle Software, die auch auf weniger leistungsstarken Systemen läuft. Allerdings musste ich sie erst einmal kennenlernen, und genau dafür war ich am Peiner Bahnhof. Ich brauchte schlicht Material, das ich zum üben benutzen konnte. Die Grundlagen des Color Gradings kannte ich ja schon aus Photoshop, aber in Videos kann man nun mal schlecht mit Pinseln arbeiten, so wie ich das gerne bei der Fotobearbeitung mache. Am Ende habe ich es aber doch noch so hinbekommen, wie ich es mit vorgestellt habe – und das sogar zweimal. Denn beim ersten Mal hatte ich so viele Effekte zur Farbbearbeitung verwendet, die gar nicht alle nötig waren, dass ich es noch einmal versuchen wollte. Der Look sollte allerdings der gleiche bleiben. Ich hoffe, ich habe nicht mit den Farben übertrieben! Allerdings sind meine Fotos und Composings ja auch immer recht farbenfroh, wenn auch gleichzeitig dunkel. Sagt mir dazu gerne mal eure Meinung auf Instagram oder per E-Mail. So lernte ich Kdenlive Stück für Stück besser kennen. Beim nächsten Mal werde ich es dann schneller und einfacher haben, ein Video zu bearbeiten. Allerdings spiele ich ja schon wieder mit dem Gedanken, auf dem stärkeren Desktop-PC DaVinci Resolve zu installieren. Es ist zwar schwerer zu erlernen, aber dafür bietet es auch noch mehr Möglichkeiten. Und im Gegensatz zum Laptop sollte der Desktop-PC das einigermaßen vernünftig ausführen können.
Die technische Seite dieses Hobbys ist glücklicherweise nicht immer so aufwändig, und meistens kann ich einfach den Laptop starten und loslegen. Manchmal macht es aber auch Spaß, sich mit solchen Sachen zu beschäftigen. Und irgendwie ist das doch auch das Tolle an diesem Hobby: Ich kann mich mit der Technik beschäftigen, komme aber auch raus, lerne manchmal interessante Leute kennen, erlebe spannende Geschichten und sehe interessante neue Orte oder erlebe lange bekannte Orte in einem ganz neuen Licht, wie den Peiner Bahnhof. Außerdem kann ich mich mit Dingen beschäftigen, die gar nichts mit der Fotografie oder dem Filmen zu tun haben. Zum Beispiel habe ich damals auf der Tour durch den Harz gelernt, warum der Wald dort stirbt und was dagegen unternommen wird, was man übrigens HIER nachlesen kann. Und abends sitze ich gemütlich – manchmal mit einem Glas Whiskey – auf dem Sofa, während ich die Fotos bearbeite, die ich auf einer solchen Tour gemacht habe, mir neue Composings ausdenke, erstelle oder Texte, wie diesen, tippe.
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