Eine seltsame Begegnung
Inzwischen waren wir bereits einige Stunden unterwegs. Die menschenleere Landstraße unter dichtem Nebel. Da wir konsequent jede Toilette ignoriert hatten, überkam uns langsam ein dringendes Bedürfnis. Als wir bereits fürchteten, die Sitze des Firmenwagens zu ruinieren, verkündete mein Kumpel entschlossen, als hätte er gerade eine Lebensentscheidung getroffen:
"Ich fahre jetzt rechts ran!"
Naja, es war eher links. Er parkte auch nicht längs zur Straße, sondern fuhr in eine Radweg-Auffahrt – eines dieser kurzen Verbindungsstücke zwischen Fahrradweg und Straße. Das Auto stand nun quer zur Straße, halb auf einem Fahrradweg. Wir stellten uns vor das Auto, um im Licht der Scheinwerfer zu tun, was zu tun war.
Ausgerechnet in diesem Moment durchbrach das Licht eines anderen Autos den Nebel. Als es näherkam, folgte ich dem Beispiel meines Kumpels, der in Hamburg die Maskierten so freundlich grüßte, und hob meine Hand, um dem Fahrer eine gute Reise zu wünschen. Dieser verstand mich aber scheinbar falsch, dachte, wir hätten eine Panne, hielt direkt hinter uns an und sprach uns an.
"'N Abend"
Die Begrüßung klang eher wie eine Frage. Mein Kumpel antwortete in einem Tonfall, der an einen Soldaten erinnerte, der einen Befehl bestätigte.
"Moin!"
"Ähm, braucht ihr Hilfe?"
Man hörte immer noch deutlich das Plätschern auf den Sandboden neben dem Fahrradweg und konnte gut erahnen, was wir da eigentlich taten.
Mein Kumpel: "Nö!"
Ich konnte mir ein Lachen nur mit Mühe verkneifen und sagte kein Wort. Der hilfsbereite Fahrer hatte inzwischen vermutlich den wahren Grund erkannt, aus dem wir da standen, und brachte nur noch ein zögerliches
"Okayyy … Schönen Abend noch."
Hinaus, bevor er das Fenster schloss und weiterfuhr. Ob er wohl lachte, als er wieder unterwegs war, oder ob er dachte:
"Was für Spinner! Ich biete nie wieder mitten in der Nacht meine Hilfe an."?
Vielleicht beides.
Als wir wieder ins Auto steigen wollten, brach mein Kumpel in lautes Gelächter aus. Auf meinen fragenden Blick hin erklärte er mir:
"Überleg mal, was wir heute alles gemacht haben. Wir sind über die Reeperbahn gefahren, wurden von maskierten Typen umringt, sind, wo es nur ging, mit quietschenden Reifen angefahren und dann diese Geschichte von eben. Guck dir mal die Seite des Autos an."
Als ich sah, was er meinte, musste auch ich laut lachen. In großen Buchstaben, die sich über die ganze Seite des Kombis zogen, stand dort der Firmenname seines Arbeitgebers.
"Wir haben heute echt gute Werbung für die Firma gemacht."
Witzelte er und wischte sich die Tränen aus den Augen, während wir schon wieder weiterfuhren.