Entruxus-11. Ein Planet, auf dem die Natur gedeiht und der Blick in die Ferne schweifen kann – wenn nicht gerade riesige Pflanzen die Sicht versperren. Der Fotograf hatte von den dort lebenden Naturvölkern gehört und war fest entschlossen, sich einen eigenen Eindruck des Planeten zu machen. Der Mondi landete sanft im hohen Gras – vielleicht etwas zu hoch. Denn er war darin kaum noch zu sehen. Naja, immerhin war er gut getarnt – nur die Antenne, die für die Verständigung zwischen den Dimensionen benötigt wurde, ragte noch ein Stückchen hervor – außerdem empfängt sie irdische Oldies. Der Reisende schnappte sich also seine Kamera – die wie gewohnt in der grünen Tasche auf ihren Einsatz wartete – und zog los. Er wanderte vorbei an riesigen Bäumen, an denen dreieckige Blätter wuchsen und sich Schlingpflanzen bis in die Kronen hinaufschlängelten. Unter den Füßen knirschte es bei jedem Schritt, als ob man auf frischem Schnee trat – was bei den fast tropischen Temperaturen allerdings ausgeschlossen war. Von Weitem vernahm er die Geräusche eines Tieres, das sich anhörte wie eine Mischung aus Kuckuck und Wellensittich, während fledermausartige Lebewesen über ihm hinwegflogen.
Nachdem er stundenlang durch diese atemberaubende Landschaft gewandert war, entdeckte er endlich kleine Hütten, die an Tipis erinnerten. Davor saßen kleine Wesen mit großen, gelben Augen, spitzen Ohren und kurzem Fell. Gerade als der Fotograf sich orientieren wollte, raschelte es im Dickicht direkt neben ihm. Er war entdeckt – wahrscheinlich schon seit einer ganzen Weile. Der pelzige Bewohner des Dorfes musterte ihn neugierig, um schließlich festzustellen, dass offenbar keine Gefahr von dem Besucher ausging. Schließlich nahm er ihn mit ins Dorf, wo er herzlich und mit schier unendlicher Neugier begrüßt wurde. Am Abend wurde ein großes Feuer entzündet, um das sich alle versammelten. Mit Händen und Füßen verstanden sie sich sogar – trotz aller Sprachbarrieren.
„Das ging so lange gut, bis einer von ihnen die Kamera entdeckte“, berichtete der Fotograf weiter. „Als ich sie ihnen vorführen – und ganz nebenbei ein Foto für meine Sammlung schießen wollte – begann das Chaos. Ich hatte nicht daran gedacht, dass sie so etwas wie Technik nicht kannten. Als ich ihnen das Bild auf dem kleinen Display zeigte, hielten sie mich wohl für so eine Art Hexer und baten mich freundlich – mit ihren Speeren – zu gehen. Vielleicht war ich etwas zu unbesorgt. Ich war schneller wieder zurück am Mondi, als gedacht. Da sah ich, dass einige Entruxia den Mondi entdeckt hatten. Und neugierig, wie sie waren, hatten sie mir das halbe Trinex-Modul zerpflückt. Vor der Technik hatten sie natürlich keine Angst.“
Pax’ Lachen schallte durch die ganze Werkstatt.
„Die sind mit Speeren auf dich losgegangen und haben den Mondi zerlegt?“, fragte er, während er sich ein paar Tränen wegwischte.
Der Fotograf stand inzwischen am Mondi und zog aus einem kleinen Fach im Kofferraum eine Flasche trinetonischen Schnaps.
„Japp, das war ein holpriger Flug hierher.“
Pax war inzwischen auf der Suche nach zwei Gläsern, die er schließlich aus einem Haufen alter Zeitschriften, übrig gebliebener Schrauben und einiger Ersatzteile kramte.
„Du trinkst, obwohl du gleich noch fliegst?“, fragte er schelmisch.
„Der Mondi ist alt genug, um alleine zu fliegen.“
„Wo hast du diesen einzigartigen Schrotthaufen eigentlich her?“
Der Fotograf hob eine Augenbraue, während er leicht grinste.
„Hey, er mag es nicht, wenn man so über ihn redet.“
„Oh, ich bitte um Verzeihung! Wo habt ihr euch denn kennengelernt?“, scherzte Pax.
„Ich fand ihn in einer Dimension, in der sie den Autos das Fliegen beigebracht hatten. Sie haben sie einfach so lange weiterentwickelt, bis man mit einem Auto morgens zur Arbeit um die Ecke fliegen und am Wochenende die Oma auf Vintox besuchen konnte.“
„Du hast den Mondi aus einer Dimension, in der Autos fliegen konnten?“
„Nur die Fließhecks. Die Kombis waren zu schwer.“
„Oder zu vernünftig“, wandte Pax nach einer kurzen Pause ein, während er einen Schluck aus seinem Glas nahm.
„Es ist eine sehr interessante Dimension“, fuhr der Fotograf fort, als ob er Pax’ Kommentar nicht gehört hätte. „Du solltest sie auch mal besuchen“, sagte er – wohl wissend, dass Dimensionsreisen trotz aller Technologie nur einer Handvoll Lebewesen in der Galaxie vorbehalten waren. Und das war schon eine sehr großzügige Schätzung.
Pax ließ diese kleine Stichelei wortlos über sich ergehen.
„Du könntest ja mal mitkommen“, bot der Fotograf vorsichtig an. „Ich habe dort nicht nur den Mondi gefunden, sondern auch eine sehr weise Lichtsammlerin.“